Vogelfotografie und goldene Abende in der Oberlausitz

Der Frühling hat der Natur neues Leben eingehaucht und wie in jedem Jahr ist es mir zumute, als sähe ich das Schauspiel, wie die Weiden blühen, die Birken mit zartem Grün übersät werden und die Traubenkirschen explodieren, zum allerersten Mal. Auch die Vogelwelt ist jetzt wieder voller Leben, heimlich sang neulich die erste Nachtigall aus dem Gebüsch und von hoher Warte dringt unlängst das selbstbewusste Lied der Grauammer.
Um mich zu dieser spannenden Zeit im Jahr ganz unseren gefiederten Freunden widmen zu können, verbrachten wir Ostern in der Oberlausitz. Mit dem Rad galt es, tolle Beobachtungsspots des Oberlausitzer Teich- und Heidegebiets anzusteuern und natürlich das bunte Treiben fotografisch einzufangen. Die schönsten Ergebnisse sowie eine lyrische Kostprobe der Tour stelle ich Dir heute vor.

Hingucker über dem Feld

Einen näheren Blick auf die Felder zu werfen, lohnt sich in der Lausitz eigentlich immer. Schon bei der Anreise begeisterte uns eine Rohrweihe mit ihren gaukelnden Flugkünsten und auch der Anblick des balzenden Kiebitz‘ sollte uns in den nächsten Tagen ein vertrauter werden. Sein Hochzeitsgesang mutet doch etwas ungewöhnlich an, wenn man ihn nicht kennt – beinahe außerirdisch.

Ein wenig zurückgezogener leben hingegen die Kraniche während der Brutzeit. Diese kleine Familie (zu der eigentlich ein zweites Küken gehört, das hier aus dem Bild „entlaufen“ ist) sah man in der Nähe unserer Unterkunft hin und wieder am Waldrand. Während einzelne Altvögel oder größere Trupps auf offenen Feldern und Wiesen nach Nahrung suchen, bleiben Eltern mit ihren nestflüchtenden Jungvögeln gern im Schutz von Schilf oder der Deckung kleiner Waldstücke.

Kranich
Friedlich streifte die kleine Familie am Rande einer Wiese umher.

In den letzten Jahren sieht man auf den Feldern jedoch allen anderen voran eine Vogelart: Graugänse. Mancherorts ist sogar von einer Plage die Rede. Man darf gespannt sein, wie es mit den schönen Vögeln weitergeht.

Graugans
Fast immer sieht man die Graugänse in verschieden großen Trupps auf den Feldern.

Fleißige Nestbauer

Störche sind ausgesprochen dankbare Fotomotive. Ob mancher noch beim Nestbau zugange ist und kompliziert Äste zum Brutplatz manövriert oder ein anderer skeptisch über den Nestrand die Fotografin beäugt – sie sehen dabei immer gut aus.

Abendstimmung zwischen tausend Teichen

Unken- und Froschgesänge tönen über den See, das dumpfe Balzgeräusch der Rohrdommel dröhnt durch den lauen Abend. Noch etwas schüchtern singen vereinzelte Schilfrohrsänger, irgendwo künden Kraniche vom Ende des Tages. Die Sonne taucht Himmel und Wasser in goldenes und rotes Licht, dazwischen gleiten stumm Schwäne, Gänse und Enten dahin.

So einem Sonnenuntergang wohnt doch noch immer ein ganz besonderer Zauber inne. Und auch, wenn die Sonne längst hinter den Bäumen verschwunden ist, ist das Spektakel noch nicht zu Ende: Ein riesengroßer, gelber Eierkuchenmond lugt durch die Äste. Ein leises Fiepen geht durch die Nacht: Fledermäuse fliegen vorüber.

Getummel im Wasser

Nicht nur Sonnenuntergänge sind am Wasser besonders schön. Auf den zahlreichen Teichen der Lausitz tummeln sich auch einige interessante Vogelarten, die von der jahrhundertelangen Fischwirtschaft profitieren. Einige von ihnen sind nicht gern gesehen, wie der Kormoran, der hier vielerorts mit lauten Schüssen vom „Fischraub“ abgehalten werden soll. Andere Arten hingegen kann man ganz ungestört beim Mittagsschläfchen oder der Nahrungssuche beobachten.

Auf einigen Teichen hat sich auch eine Entenart angesiedelt, die eigentlich in Skandinavien beheimatet ist und brütet. Die schönen Schellenten sind Nachmieter in Schwarzspechthöhlen, nehmen aber auch Nisthilfen dankbar an. In dieser Region steht ihnen beides zur Verfügung, sodass man hin und wieder einige Vertreter dieser Art auf dem Wasser oder in einem Nistkasten ein- und ausfliegen sah.

Doch auch wer im Baum brütet, ist vor räuberischen Überfällen nicht sicher …

Versteckt inmitten des dichten Schilfbewuchses hielten sich außerdem brütende Haubentaucher und die scheue Rohrammer auf.

Im Reich des Seeadlers

Die Oberlausitz gilt als „Seeadlerhochburg“ und tatsächlich ist die Sichtung dieses majestätischen Vogels hier keine Seltenheit: Am See, auf dem Feld, überfliegend – manches Mal begegnete man seinem scharfen Blick.

Abendlicher Abschied

Der letzte Abend bescherte mir noch einmal eine wundervolle Lichtstimmung und eine lyrische Eingebung.

Goldener Abend, Grauammer.

Goldener Abend, Grauammergesang
tönt trällernd die verschlungene Straße entlang.
Wiesenfuchsschwanz und Löwenzahn
strahlt feurig rot die Sonne an.
Im Fluge ruft der Kiebitz wacker
„Kjuwitt kschääh wiih“ über den Acker
Aus dem Waldsee nebenan
trägt der Wind Unkenklagen heran.
Ein Traubenkirschbaum schickt wolkenweise
Blütenduft auf nächtliche Reise.
Und mitten hindurch in weiter Flur
reise auch ich und lächele nur.

© Anna Bürger 2019

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende und einen Grund zum Lächeln,

Anna.

22 Kommentare zu „Vogelfotografie und goldene Abende in der Oberlausitz

Gib deinen ab

  1. Schöne Fotos, Anna. Und mit viel Herz. Da sind ein paar besonders tolle dabei, die mehr Aufmerksamkeit verdienen würden, als sie sie in einem so langen Artikel bekommen werden. Mach doch 3 Artikel daraus das nächste Mal und fange immer mit dem deiner Meinung nach schönsten und besten Foto an. Mir gefallen besonders: das Haubentauchernest, das schwarz/weiße vom räuberischen Überfall, das letzte Sonnenuntergangsfoto und das mit der Spinne und der verästelte Mond.

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    1. Hallo Eva!
      Danke für deinen ausführlichen Kommentar und deine Auseinandersetzung mit dem Beitrag. Ich weiß dein Lob und deine Tipps zu schätzen und werde versuchen, beim nächsten Mal ein bisschen mehr nach dem Prinzip „weniger ist mehr“ vorzugehen. Aber ich möchte auch, dass ein Beitrag in sich geschlossen ist, vor allem wenn es um eine Art Reisebericht geht. Deswegen bin ich kein Fan von mehrteiligen Artikeln. Das muss man ein bisschen abwägen…
      Schön, dass dir die Bilder gefallen.
      Liebe Grüße und schönes Restwochenende!

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  2. Wunderschöne Fotos liebe Anna. Sowohl von den Vögeln wie von der traumhaften Landschaft. Ich kann kaum sagen, welches ich am Schönsten finde. Sie sind alle toll. Und herzlichen Glückwunsch zu den zahlreichen schönen Vogelbegegnungen! Tröstlich, daß es noch solche Gegenden gibt, wo die Natur noch ein bißchen in Ordnung ist. LG, Almuth

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    1. Lieben Dank, Almuth.
      Als ich nach der Reise die Bilder gesichtet habe, war auf den ersten Blick gar nichts dabei, was ich spontan als gutes Bild bezeichnet hätte. Aber mit etwas Abstand betrachtet, bin ich eigentlich sehr zufrieden. Es müssen wirklich nicht immer die formatfüllenden Vogelporträts perfekt freigestellt vor einfarbigem Hintergrund sein.
      Hin und wieder muss ich einfach in solch eine Region „eintauchen“. Allerdings spürt man leider auch dort, dass längst nicht alles so läuft, wie es in Anbetracht der Situation nötig wäre… Da reichen die glyphosatgespritzten Felder direkt bis zum Rande des NSGs, dann wie im Beitrag erwähnt, die Gasschussanlagen gegen die Kormorane… solche Beobachtungen geben leider den schönsten Ausflügen einen bitteren Beigeschmack. Aber wie dem auch sei, man tut so viel man irgend kann vor der eigenen Haustür und unterschreibt fleißig Petitionen und hofft, dass die Natur sich zumindest in ihren Rückzugsgebieten ein bisschen entwickeln kann.
      Hm, trotz dieser eher pessimistischen Worte… schönen Sonntag!

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      1. Ja, heile Welt trift man kaum noch an. Das finden wir wohl nur noch in entlegenen Regionen, die auch bald nicht mehr entlegen sein werden. Es ist wirklich schwierig. Aber das mit den Petitionen bringt schon hin und wieder was. Jedenfalls bekommt man von den Organisationen öfter mal positive Rückmeldungen. Ich denke, es tut sich auch was, aber diese Veränderungen gehen oft sehr langsam voran. Die Tage sah ich noch ein Renaturierungsprojekt. Und wann hat man die ganzen Bäche so verunstaltet? In den 1970er / 80er Jahren, uff! Es bleibt zu hoffen, daß wir diese schönen Zonen erhalten und ausbauen können, bevor es zu spät ist! – Und ja, Vogelbilder können auch so aussehen, wie du sie gemacht hast. Ich finde sie sehr sehr schön und man spürt deine Liebe zu ihnen. Das strahlen die Bilder aus!

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      2. Hoffen wir das Beste für diese Regionen. Wichtig ist es, dass man sich die Leute vor Ort ins Boot holt.
        Eigentlich freue ich mich auch über jede kleine Maßnahme, über kleine Schritte.
        Dankeschön! Das ist ein wunderbares Kompliment. 😊

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  3. Liebe Anna ,
    das hast du so wunderschön geschrieben und fotografiert, das einem das Herz aufgeht.
    Vielen Dank dafür ❤
    Gestern durfte ich endlich wieder auf eine Vogel Tour gehen.
    Unser Ornithologischer Begleiter hat sage und schreibe 74 Vogelarten dokumentiert.
    Ich eventuell ein viertel davon. 😉
    Viele Grüße und auch weiterhin so viel Freude an der Natur und den Vögeln wünsche ich dir.
    Brigitte

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    1. Brigitte, hab ganz lieben Dank für dein Lob!
      Sehr schön, ich kann mich im Mai mal wieder einer ornithologischen Wanderung anschließen, ich bin schon sehr gespannt.
      Machst du zufällig beim Bird Race mit? Das ist in meinen Augen eine schöne Gelegenheit für eine ausgiebige, ganztägige Beobachtung.
      Guten Start in die Woche und herzliche Grüße zurück,
      Anna

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  4. Mit diesem Beitrag gibst du auf jeden Fall Grund zum Lächeln! Schön, wenn jemand mit so viel Liebe durch die Natur streift und uns daran teilhaben lässt! Etwas, das gar nichts mit Fotografie zu tun hat: kennst du dich auch mit Vogelstimmen aus und hast eine Empfehlung dazu, wie man die lernen kann? Lieber Gruß von Heidi

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