Rhön, Rotes Moor und Rhäden

Das letzte Wochenende lud ja wettertechnisch viel eher zu einem ruhigen Nickerchen im Schatten oder einem Bad im kühlen See ein als zu langen Rad- oder Wandertouren. Trotzdem verbrachte ich vier freie und wunderschöne Maitage genau damit.
Am Donnerstag fuhr ich mit meinen Eltern in die Hessische Rhön, wo es uns neben Fahrradtouren durch die grüne, hügelige Landschaft, Spaziergängen durch saftige, bunte Wiesen und einem Ausflug nach Fulda auch zum Wandern ins Rote Moor und ins Naturschutzgebiet Rhäden verschlug.

Bunte Wiesen

Besonders spannend war es für mich, die Blumenwelt der Rhön kennenzulernen, die mit der mir vertrauten wohl kaum zu vergleichen ist.
Auf Kalkwiesen blühten inmitten von Margeriten und Butterblumen wilde Orchideen, wie das Weiße Waldvöglein oder das Knabenkraut.

Auch eine anmutende Ackelei fand sich mitten auf einer Wiese am Hang.

Ackelei
Gefüllte rote Ackelei, Aquilegia vulgaris plena

Überhaupt überraschten mich all die Wiesen, die sich – mal gelb, mal weiß – mit sanften, grünen Feldern und dichten Mischwäldern abwechselten.

Am in herrlichen Auwäldern gelegenen Haunesee sah man hin und wieder gelbe Schwertlilien durchs Schilf blitzen.

Schwertlilie 2
Sumpf-Schwertlilie, Iris pseudacorus

Beeindruckend waren auch die Fernblicke, die mich auf jeder Wiese neu und einzigartig erwarteten und die sich am Horizont zwischen blauem Himmel und sattem Grün verliefen.
Am letzten Abend, den wir auf einem Hang zwischen Wacholder und Ziegen und unter den Rufen der Goldammern und dem Gesang einer Nachtigall verbrachten, neigte sich die Sonne betont entspannt den weit entfernten Baumwipfeln zu, hinter denen sie schüchtern verschwand und die Fernsicht in abendliche Kontraste tauchte.

Sonnenuntergang 3

Rotes Moor

Das Rote Moor ist das zweitgrößte Hochmoor in der Hessischen Rhön und zugegeben klangen die Beschreibungen aus dem Internet und Wanderführern vielversprechender als das, was sich uns letztendlich offenbarte.
Trotzdem hatten wir Glück, am Vormittag den größten Besucherströmen zu entkommen und recht entspannt durch den lauschigen Wald zu laufen. Lieblich schlängelte sich der Weg unter den Karpaten-Birken hindurch und gab den Blick auf das lichte Unterholz mit wehendem Wollgras frei.

Auf einer besonders bunten und duftigen Wiese blühten viele gelbe Trollblumen und schauten über die Pusteblumen und Gänseblümchen hinweg über das angrenzende Tal in die Ferne.

Trollblume 3
Trollblume, Trollius europaeus

Rhäden

Im Naturschutzgebiet Rhäden fühlte ich mich ein bisschen ans Gondwanaland erinnert: Die Sonne brannte unbarmherzig auf meine Schultern, um mich wogte ein menschenleerer Urwald, der nur matte Abkühlung bot, und hunderte Vogelstimmen und das Zirpen und Summen tausender Insekten durchschwirrten die Luft. Das Schilf links und rechts des Weges raschelte, hier und da sprang ein Frosch in die sumpfigen Pfützen und Tümpel. In der Ferne knackten leise Äste, vielleicht durchstreifte ein Reh den Wald. In den hohen Baumkronen hört man kräftige Flügelschläge, ein Raubvogel flog über mich hinweg.

Hier wurden bereits 244 Vogelarten gezählt und die durchschnittliche Gesamtpopulation auf 2500 Vögel geschätzt, von denen ich leider nicht viel zu sehen bekam. Dafür hatte ich den Eindruck, alle über mir singen und erzählen zu hören – Vertraute Stimmen, lang vermisste Stimmen, unbekannte Stimmen, melodische und schreiende, Pfiffe und Rufe, laute und leise – ein Konzert.

Über dem See kreisten und schrien sehr fröhlich einige Kiebitze, die vom Beobachtungspunkt aus alle Blicke auf sich zogen.

Vogel 4
Kiebitz, Vanellus vanellus

Die Haubentaucher dagegen ließen sich nur hin und wieder zwischen ihren langen Tauchgängen blicken, nach denen sie manchmal überraschend nah an ihren Beobachtern an die Oberfläche stießen.

Haubentaucher 2
Haubentaucher, Podiceps cristatus

Leider konnte ich kaum einen der begabten Sänger in den Baumkronen einfangen. Der Baumpieper und der Teichrohrsänger hingegen erlaubten mir je ein paar kurze Aufnahmen aus sicherer Entfernung.

Ich hoffe, Du konntest das sonnige Wetter und die sommerlichen Temperaturen ebenso schön erleben und die Natur genießen – und falls nicht, das nächste verlängerte Wochenende steht ja schon fast vor der Tür…

Liebe Grüße,
Anna!

16 Kommentare zu „Rhön, Rotes Moor und Rhäden

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  1. War im April in der Rhön, da war es aber noch soooo kalt, dass ich sie so nicht erleben konnte… … sicherlich aber sehr schön von Flora und Fauna und ich finde es so schön, dass du dafür ein Auge hast und offensichtlich einen großen Bezug zur Natur! Viel Spaß noch beim Entdecken mit der Kamera!

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  2. Tolle Bilder! Das mit der roten Blume gefällt mir am besten 🙂
    Bei uns im Garten im Teich quakt seit diesem Frühling ein kleiner grüner Frosch, als ich den auf einem Seerosenblatt hocken sehen habe, hab ich sofort an dich und deine coole Kamera mit der man so nah ran zoomen kann gedacht 😀 das wäre sicher ein tolles Motiv 🙂

    Liebe Grüße
    Pauline ❤

    http://www.mind-wanderer.com

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Pauline! Haha, wie niedlich, vielleicht ist es ja ein Grasfrosch? In Rhäden habe ich tatsächlich auch einige Frösche fotografiert, die sich durchaus als fotogen zeigten 🙂
      Liebe Grüße! 😉

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  3. Das Beste was Du bei der Hitze machen konntest. In der Rhön ist es auch bei hochsommerlichem Wetter angenehm. Die Kiebitze sieht man leider nicht mehr oft. Für die Orchideen ist die Ecke ja berühmt. 🙂

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    1. Ja, in der Tat war es an den meisten Flecken recht gut auszuhalten, aber zum Fahrradfahren war es eigentlich trotzdem zu warm.. 😀
      Ich habe dort auch zum ersten Mal Kiebitze gesehen, ich hätte gern etwas mehr Zeit dort verbracht – vielleicht beim nächsten Mal 😉

      Gefällt 1 Person

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